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Weitere Auffürhungen Mülheim an der Ruhr: 27.-29.09.2019, 19.30 h und 31.10./02.11., 19:30 h, 03.11., 16:00 Theater an der Ruhr /// Weitere Aufführungen Köln: 21.-23.11.2019, 20 Alte Feuerwache Köln

Ein Musiktheater mit Musikern & Darstellern aus Chile, Kuba, dem Balkan, dem Senegal und Syrien über den Blick des Fremden auf unsere Gesellschaft...

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"Wir erarbeiten multidisziplinäre
Projekte – Uraufführungen
und Stückentwicklungen – im
Grenzbereich von Sprech- und
Musiktheater.

Inhaltlicher Kern der kommenden Projekte
ist die Frage nach Identität in Zeiten
von Globalisierung, Migration und Digitalisierung."                                                                   

JEDER:JEDERZEIT (UA)
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Ein Musiktheater über die Fremdheit gegenüber uns selbst

„Welche andere menschliche Gegenwart kann mir fremder sein, als ich selbst mir manchmal bin?" (George Steiner)

JEDER:JEDERZEIT ist ein städteübergreifendes, crossmediales Musiktheaterprojekt - bestehend aus einer Theaterinszenierung, einem Blog und einem Internetvideokanal über die Vergänglichkeit und die Fremdheit, welche wir angesichts unserer Vergänglichkeit uns selber gegenüber empfinden:

Welche Bilder haben wir von uns im Alter, gegenüber unserem Verfall, gegenüber unserem eigenen Tod? Welches Bild von uns wollen wir nach Außen erzeugen? Wer sind wir im Spannungsfeld von Leben, Alterung und Tod?

Insgesamt geht es um eine Hinterfragung des Identitätsbegriffes fokussiert auf eine Betrachtung des Alterungsprozesses und die Selbstbildnisse von Menschen unterschiedlicher Generationen. Sehe ich einen alten Mann am Rollator so vermittelt sich mir von jeher das Bild: "Oh je, dem geht es schlecht, der hat Schmerzen, der hat wenig Spaß am Leben. So will ich nicht werden!" Ich gucke ebenso auf Arme, Alte, Obdachlose, aber das bin nicht ich - so will, so kann ich mich nicht sehen. Es trifft auf jeden Menschen zu: Alter, Verfall und Tod sind uns fremd. Wir lernen gerade den Tod erst kennen, wenn es soweit ist. Wir sind uns in diesem Punkt selber fremd, wir sind wenn man so will dem Leben gegenüber in diesem Punkt fremd - aufgrund unserer Sozialisation und den wirkungsmächtigen gesellschaftlichen Mustern im ausgrenzenden Umgang mit Insuffizienz, Krankheit und Tod. Wir haben daher das Bestreben bei anderen ein bestimmtes Bild von uns zu erzeugen:

Welche Bilder erzeuge ich von mir selbst bei anderen und aus welchem Grund wollen wir in einer bestimmten Weise gesehen werden? Womit wollen wir und warum identisch sein? Wovon hängt diese konstruierte Identität ab und wie verändert sie sich im Laufe unseres Lebens?

Positioniere ich mich für mein Alter und lasse mir beispielsweise - obwohl ich es mir leisten könnte - meine ausgefallenen Zähne nicht ersetzen und bekenne mich damit sichtbar zu meinem Alter und meinem Verfall, ahme ich in diesem Fall das Bild, welches ich vom Alter habe, für mich und andere nach. Oder: Ich positioniere mich gegen mein Alter - ich bin 80 Jahre alt, aber trage eine Baseball-Kappe und suggeriere damit, dass ich mich jung fühle und voll mit der Mode gehe, die aktuellen modischen Codes noch kenne. So gehe ich auf Distanz zu meinem Alter.

Und schließlich: Wie gehen wir damit um, dass es JEDEN von uns JEDERZEIT erwischen kann, dass es jeden von uns jederzeit aus dem Leben herausreißen kann? Das finden wir gar nicht gut, befremdlich und beängstigend. Hier haben wir vielleicht die größte Distanz zu uns selbst, ist alles Leben doch gerade in dieser Vergänglichkeit vereint und durch diese Vergänglichkeit als Lebendigkeit erst definiert. Wie gehen wir mit dieser Unsichrheit um? Welche Folgen hat diese Unsicherheit für unser Selbstbildnis und für die Art und Weise wie wir gesehen werden wollen?

Mit: Andreas Beutner (67), Angela Pott (71), Allen Kipping (15), Azizé Flittner (41), Clara Duchatz (13), Frank Witzel (61), Giorgos Psaroulakis (52), Helga Tillmann (73), Jochen Keienburg (79), Josef Dransfeld (61), Karin Oeser (59), Lothar Konnen (52), Mohammad „Saado“ Kharouf (27), Renate Grimaldi (72), Sigrid Schott (51), N.N.

Live Musik: Peter Eisold (Schlagzeug & Elektronik), Pía Miranda (Posaune & Gesang)

Konzept/Regie/Textfassung: Jörg Fürst, Musikkomposition: Peter Eisold, Pía Miranda Bühne & Kostüme: Monika Odenthal, Videoscreening: Susann Martin, Lichtdesign: Kerp Holz, Technische Leitung: Dirk Lohmann, Produktionsleitung: Suse Bertholt, Produktion Mülheim an der Ruhr: Renate Grimaldi, Ausstattungsassistenz: Sina Gröner, Öffentlichkeitsarbeit: neurohr&andrä, Köln, Layout: molter&sartor, Düsseldorf, Fotodokumentation: Jürgen Brinkmann, artfocus, Mülheim an der Ruhr, Videodokumentation: Susann Martin, miTschniTT, Köln

Eine Produktion von A.TONAL.THEATER (Köln) in Koproduktion mit dem Theater an der Ruhr und der VolXbühne Mülheim an der Ruhr, Freihandelszone - Ensemblenetzwerk Köln und Alte Feuerwache Köln. Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen und die MEG - Mülheimer Entsorgungsgesellschaft.